Ausgerechnet an den heißesten Tagen des Jahres ging die U20 B Europameisterschaft in Oberwart und Güssing/Jennersdorf über die Bühne. Schweißtreibend sowohl für die Spieler als auch für das tolle, basketballverrückte Publikum im Südburgenland. Dass sich die anfänglichen Hitzeschlachten gegen Belgien, Großbritannien und Dänemark zu Sommermärchen gegen Norwegen; Slowakei und Polen entwickeln sollten, wusste bei der Eröffnung noch niemand. Und auch nicht, dass sich der größte Triumph im österreichischen Nachwuchsbasketball in Oberwart ereignen sollte.
Bericht und Fotos von Michael Pekovics.
Aber der Reihe nach:
Schon beim ersten Spiel gegen Belgien ließen es sich rund 500 Zuschauer bei Außentemperaturen von 35 Grad nicht nehmen, dem U20-Nationalteam auf die Beine und Hände zu schauen. Klar: die Nervosität war groß, 13 Punkte betrug der Rückstand nach nicht einmal drei Minuten. Doch dann kamen Rashiiiiiiid, Romed und Momo und kochten die belgischen Waffeln so richtig schön durch. Der Sieg gegen den "stärksten Gegner der Gruppe" (Lanegger) war fixiert, nach Belgien stand Großbritannien am österreichischen Speiseplan.
Und wieder war der Start ins zweite Gruppenspiel ähnlich: verhaltener Beginn, der Rückstand konnte bis zur Pause zumindest verringert werden. Im dritten Viertel packten Lanegger & Co. dann ihr ganzes Potenzial aus: die Briten wurden unsicher, trafen nichts mehr und vor allem dank Romed Vieider wurde am Ende noch ein Sieg mit 20 Punkten eingefahren. Der junge Welser bewies übrigens, dass er das Zeug zum Publikumsliebling hat - die Kommunikation mit den Fans vom Spielfeld aus funktionierte jedenfalls schon bestens.
Das dritte Gruppenspiel gegen Dänemark war bedeutungslos - allerdings nur für Österreich. Die Dänen wollten mit zumindest einem Sieg nach Hause fahren, dementsprechend motiviert war ihr Auftreten im Güssinger Aktivpark. Unser Team schwächte sich zusätzlich selbst, Mahalbasic hatte schon nach fünf Minuten vier Fouls aufgerissen. Coach Werner Sallomon ließ zudem die Bankspieler für mehr Minuten als normal aufs Spielfeld, Lanegger kam kaum zum Einsatz, Jesse Seilern hatte sich an der Hand verletzt und spielte ebenfalls wenig. Am Ende wäre trotz "B-Garnitur" fast noch ein Sieg verbucht worden.
Als Gruppenerster hatte sich das U20-Nationalteam für die zweite Zwischenrunde qualifiziert. Hier traf die Mannschaft auf die Slowakei, Norwegen und Polen. Der Modus selbst sorgte für Verwirrung - und ein anstrengendes Turnierprogramm: nicht weniger als vier Spiele an vier Tagen (von Sonntag bis Mittwoch) mussten Mahalbasic & Co. bestreiten. Die jeweils drei bestplatzierten Teams der vier Gruppen stiegen in diese Zwischenrunde mit je sechs Mannschaften auf. Dort spielten sie gegen die Nationalteams der anderen Gruppe, die Ergebnisse der schon ausgetragenen Spiele wurden mitgenommen (weswegen auch die Niederlage gegen Dänemark, das schon in der Vorrunde ausgeschieden war, unwichtig war).
Gegen die Slowakei zeigte Österreich dann Basketball zum Abgewöhnen - die Slowaken waren übrigens um keinen Deut besser. 10:9 nach dem ersten Viertel sagt wohl alles. Erst im dritten Viertel ging ein Ruck durch die Mannschaft, vor allem Anton Maresch zeigte immer wieder schönen Zug zum Korb. Mit dem 72:65-Sieg über die Slowakei war klar, dass das Spiel gegen Norwegen am nächsten Tag in Güssing schon eine Vorentscheidung über den Finaleinzug bringen könnte - Platz eins oder zwei in der Sechser-Gruppe und damit die Qualifikation für das Halbfinale war das erklärte Ziel des Nationalteams.
Mit voller Motivation startete die U20 ins Spiel gegen Norwegen, leicht sollten es ihnen die Skandinavier aber nicht machen. Denn die Norweger wurden von Viertel zu Viertel stärker. Neben Mahalbasic und Lanegger war es in diesem Spiel Erik Frühwirth, der einige Akzente setzte. Den norwegischen Zahn zog aber Lanegger, der jedes Mal, wenn die Skandinavier herankamen, einen "in your face"-Dreier setzte. Damit war klar: am nächsten Tag sollte es gegen Polen um den Gruppensieg gehen.
Das Spiel war eng, zuerst mit leichten Vorteilen für Österreich, dann wurden die Polen stärker. Während Österreich bereits fix als Halbfinalteilnehmer feststand (bei einer Niederlage mit weniger als 30 Punkten), kämpften die Polen um ihre letzte Chance. Hätten sie gegen Österreich verloren, wäre Großbritannien aufgestiegen. Unserem Team war das alles egal, der Siegeswillen war deutlich zu sehen. Am Schluss sollte es aber nicht reichen - der Gruppensieg wurde es auf Grund der neu erstellten Dreier-Tabelle trotzdem.
Als Zweiter der anderen Gruppe hatte sich Bulgarien für das Halbfinale qualifiziert. Sie galten bis dahin als stärkste Mannschaft neben Schweden, das die andere Gruppe gewinnen konnte. Fans aus ganz Österreich reisten an, die Stimmung in der Sporthalle Oberwart war sensationell. So angetrieben, bestimmte unser Team von Anfang an das Tempo und zeigte den Bulgaren: heute gibt's für euch nichts zu holen. Vor allem Seilern lieferte eine tolle Leistung ab - Lanegger und Mahalbasic müssen nicht extra erwähnt werden. Am Ende wurde es kurz noch einmal knapp, die Bulgaren bewiesen von der Dreierlinie große Treffsicherheit. Aber die Nerven an der Freiwurflinie hielten - nach dem Schlusspfiff war der Jubel grenzenlos, der historische Erfolg - Aufstieg in die A-Division - fixiert. Alle Dämme brachen, die Spieler jubelten gemeinsam mit den Fans minutenlang über ihren Erfolg.
Das Finale selbst, bereits einen Tag nach dem Halbfinale, lockte noch mehr Zuschauer nach Oberwart. Rund 1.400 wollten sich den Höhepunkt der U20 B EM nicht entgehen lassen - und sie bekamen ein Basketball-Feuerwerk zu sehen. Denn das Nationalteam war mit dem Aufstieg noch lange nicht zufrieden, vor allem zu Beginn wurden die Schweden regelrecht an die Wand gespielt. Mehr als 20 Punkte betrug der Vorsprung schon, doch die Skandinavier gaben nicht auf und kämpften sich zurück. Wieder war es Seilern, der 20 Sekunden vor dem Ende mit einem Dreier für die Entscheidung sorgte.
War Österreich vor der EM der Aufstieg in die A-Division zwar zugetraut worden - so richtig geglaubt hatte daran niemand. Was das Team aber in Oberwart und Güssing bewies, war mehrerlei: erstens, dass mit guter Förderung (das Team wurde über Jahre für diese EM aufgebaut) auch in Randsportarten große Erfolge auf internationaler Ebene möglich sind; zweitens, dass mit Kampfgeist und der Unterstützung des Publikums gerade im Basketball auch schwächer eingeschätzte Teams siegen können und drittens, dass in Österreich eine Basketball-Generation heranwächst, die es sich verdient hat, auch in der Bundesliga tragendere Rollen als bisher zu spielen. Denn bis auf Lanegger, Mahalbasic, Seilern (College) oder Maresch (mit Abstrichen Klepeisz, Linzer und Frühwirth) halten sich die A-Liga-Minuten der U20-Spieler eher in Grenzen. Dass diese Minuten aber für die Entwicklung essentiell wichtig sind, ist klar und war deutlich an der Spielweise zu sehen.
Da macht es Freude, wenn am Rande der EM von höchsten Kreisen der Liga zu hören war, dass eventuell versucht werden soll, ein "Challenge-Team" aufzubauen. Grundsätzliche Zustimmung von Sportminister Norbert Darabos, der übrigens beim entscheidenden Sieg über Bulgarien auf der großen Tribüne mitfieberte und sich ganz ehrlich mit der Mannschaft freute, sei bereits signalisiert worden, ist zu hören.












